Bindeglied zum Anwender

Medizinprodukteberater
Bindeglied zum Anwender Medizinprodukteberater informieren Fachkreise über den richtigen Gebrauch von Medizinprodukten. Die Rahmenbedingungen sind gesetzlich festgeschrieben, werden aber in der Praxis nicht immer gelebt.
Immer wieder sind in einschlägigen Medien Stellenanzeigen für Medizinprodukteberater ausgeschrieben. „Dabei handelt es sich in der Regel nicht um Angebote, die ohne eine weitere Berufsausbildung angetreten werden können\", sagt Birgit Klusmeier, Leitung Kompetenzcenter Medizin & Gesundheit bei der Tüv Süd Akademie, einem Anbieter von Seminaren für Medizinprodukteberater. „Vielmehr werden oft Mitarbeiter für einen Medizinproduktebereich gesucht, die eine beratende oder einweisende Tätigkeit zu einem speziellen Segment durchführen.\" Medizinprodukteberater sorgen außerdem dafür, dass Mitteilungen über Fehlfunktionen, technische Mängel oder sonstige Risiken von Medizinprodukten dokumentiert und gemeldet werden. „Gerät etwa ein elektrischer Rollstuhl außer Kontrolle müssen die Verantwortlichen darüber zeitnah informiert werden\", veranschaulicht Klusmeier an einem Beispiel. Aber es sei auch wichtig, kleine Schäden oder Mängel aufzunehmen, wenn Anwender sie feststellen würden.

Was ein Medizinprodukt ist, legt das Medizinproduktegesetz fest: Danach ist es ein Gegenstand, der zu medizinisch-therapeutischen oder -diagnostischen Zwecken für Menschen verwendet wird und - in Abgrenzung zu Arzneimitteln - physikalisch oder physikochemisch wirkt. Im Sinne der europäischen Medizinprodukte-Richtlinie kann es sich dabei um Instrumente, Apparate, Vorrichtungen, Stoffe oder Software handeln. Die Spanne reicht von Röntgengerät über Herzschrittmacher und Prothese bis zu Wundverband und Einmalkanüle. Der Medizinprodukteberater informiert dann etwa Ärzte oder Pflegepersonal über den richtigen Gebrauch des Produkts. Im Gesetz ist von „Fachkreisen\" die Rede. „Geht es zum Beispiel um Wundversorgungen oder Implantate, kann es auch vorkommen, dass ein Medizinprodukteberater im Operationssaal dabei ist, um die Anforderungen des OP-Personals genau kennen zu lernen\", verdeutlicht Sybille Queißer, Geschäftsführerin des Healthcare-Personaldienstleisters sellxpert.

Laut Birgit Klusmeier ist jenseits aller Stellenausschreibungen jede Person als Medizinprodukteberater anzusehen, die berufsmäßig Fachkreise fachlich über Medizinprodukte informiert oder in deren Handhabung einweist. „Dazu zählen sowohl Außendienstmitarbeiter in den Bereichen Medizintechnik, Homecare oder Hilfsmittel, als auch Ärzte oder Techniker, die Fachkreise informieren, oder Krankenpflegepersonal, das bestimmte Aufgaben übernimmt.\" Betroffen seien auch Hotline-Mitarbeiter oder die Kollegen im Vertriebsinnendienst.


Das Medizinproduktegesetz definiert, welche Qualifikation ein Medizinprodukteberater für seine Tätigkeit mitbringen muss. Danach hat er eine abgeschlossene Ausbildung in einem naturwissenschaftlichen, medizinischen oder technischen Beruf und ist auf den jeweiligen Medizinprodukten geschult worden. Oder er hat eine mindestens einjährige Tätigkeit ausgeübt - die in begründeten Fällen auch kürzer sein kann -, bei der er Erfahrungen sammeln konnte, wie man über die jeweiligen Medizinprodukte informiert und in deren Handhabung einweist. Zweifellos eine weite, teils vage Definition. „Die formalen Einstiegshürden sind niedrig\", bestätigt Birgit Klusmeier. Oft stehe der Titel „Medizinprodukteberater\" auch auf einer Visitenkarte, um eine gewisse Kenntnis darzustellen - „es handelt sich aber weder um eine Qualifikationsaussage noch um eine Berufsbezeichnung.\"

Der Medizinprodukteberater hat die Dokumentation seiner Schulungen und Qualifikationen vorzuhalten, die er für die fachgerechte Ausübung seiner Tätigkeit benötigt. Denn er muss seine Sachkenntnis auf Verlangen der zuständigen Behörde nachweisen können. In der Praxis führen Medizinprodukteberater daher laut Birgit Klusmeier oft einen sogenannten Schulungspass, in dem sie ihre Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen dokumentieren, oder sie archivieren die Kopien ihrer Schulungszertifikate privat.

Letztlich sind Medizinprodukteberater so etwas wie das Bindeglied zwischen herstellendem Medizintechnikunternehmen und Anwender, und sie sind „das Ohr am Markt, wenn es zu Komplikationen kommt\", sagt Birgit Klusmeier. Eigene praktische Kenntnisse in der Anwendung des Produkts sind da hilfreich. Das bestätigt auch Sybille Queißer: „Die Unternehmen suchen oft Medizinprodukteberater, die die Patientenversorgung aus eigener Erfahrung kennen.\" Und im Vergleich zu Pharmareferenten müssten Medizinprodukteberater auch viel vertriebsorientierter arbeiten. „Für eine solche Tätigkeit muss man Spaß am direkten Verkaufen haben\", sagt sie. Darüber hinaus sollte man eine ausgeprägte Reisebereitschaft für den Außendienst mitbringen, wenn es um Medizingeräte geht: „Denn\", so Queißer, „anders als bei Pharmareferenten liegen die Kunden räumlich oft weit auseinander.\"

Quelle: Michael Vogel

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