Mehr als ein Fachmann

Soft Skills
Mehr als ein Fachmann<br> Wer in seinem Berufsalltag viel mit Ärzten, Pflegepersonal oder Apothekern zu tun hat, braucht neben seinem Fachwissen vor allem Menschenkenntnis.

Egal, ob Pharmaberater, Klinikreferent, Klinischer Monitor oder Medizinprodukteberater - im Alltag haben diese Berufsgruppen viel mit anderen Menschen zu tun und sind oft auf sich allein gestellt. Kein Wunder, dass sie neben dem fachlichen Know-how vor allem eines brauchen: Soft Skills. „Gerade wenn man direkten Kontakt zu Patienten hat, ist ein großes Einfühlungsvermögen gefordert", sagt Sybille Queißer, Geschäftsführerin des Healthcare-Personaldienstleisters sellxpert. Aber nicht nur dann.

Zum Beispiel Pharmareferenten: Meistens sind sie auf Tour, besuchen niedergelassene Ärzte, Kliniken oder Apotheken. Dort informieren sie über neue Arzneimittel, geben aber auch in der Pharmaforschung gewonnene Erkenntnisse über bereits am Markt befindliche Produkte weiter - wenn etwa neue Indikationen oder Nebenwirkungen eines Medikaments entdeckt worden sind. Ein Termin dauert oft nur wenige Minuten, da die Ärzte meist viele Patienten zu betreuen und daher wenig Zeit übrig haben. Trotzdem muss der Pharmaberater in dieser kurzen Zeitspanne seine Informationen schnell und präzise vermitteln - und eine angenehme Gesprächsatmosphäre aufbauen. Das kann damit beginnen, dass er den gehetzt wirkenden Arzt, der womöglich schon an den nächsten Patienten denkt, zunächst gedanklich ins Boot holen muss.

Situationen, in denen Fingerspitzengefühl gefragt ist, erleben auch Klinische Monitore in den Krankenhäusern, die an einer Studie für eines neues Medikament teilnehmen, den sogenannten Prüfzentren. Gerade bei der Dokumentation der Erkenntnisse müssen die Monitore sehr penibel vorgehen. Gibt es irgendwo Ungereimtheiten, müssen sie diese ansprechen, dürfen die beteiligten Mitarbeiter des Prüfzentrums dabei aber nicht vor den Kopf stoßen. Schließlich ist deren wichtigste Aufgabe ja die Behandlung der Patienten und nicht die Teilnahme an der Studie für das neue Medikament.

Auch wenn es mancher nicht hören möchte, weil man sich selbst als Berater versteht, gelten für Pharmaberater, Klinikreferenten, Klinische Monitore und Medizinprodukteberater in gewisser Weise auch Ansprüche, die ansonsten an einen Außendienstmitarbeiter gestellt werden. Selbstdisziplin und Selbstmotivation gehören dazu, da man ja weitgehend auf sich allein gestellt ist. Verbunden mit der Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, sie dort emotional und geistig abzuholen, wo sie gerade stehen. Und kommt es zu einer Konfrontation, muss man in der Lage sein, deeskalierend auf den Gesprächspartner einzuwirken.

Wobei auch bei den Soft Skills gilt, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Tom Chilcott, Geschäftsführer der Pharmaakademie, die Medizinprodukteberater und Klinische Monitore ausbildet, hat durchaus schon die Erfahrung gemacht, dass ein eher introvertierter Fachmann trotzdem ein guter Wissensvermittler für Fachleute wie Ärzte oder Pflegepersonal werden kann. „Manche Teilnehmer", sagt er, „spüren erst während ihrer Ausbildung, was da tatsächlich in ihnen steckt."

Quelle: Michael Vogel

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